Selbstständige – Wie schaffen wir es, uns weiterzuentwickeln?

21. November 2018 |

Ein Personalgespräch für Selbstständige oder: Einmal alles auf Anfang, bitte!


Den Selbstständigen winkt große Freiheit, so sagt man. Das stimmt, und auch wieder nicht. Sicherlich hat die Freiberuflichkeit ihre Sonnenseiten, bringt unglaublichen Freiraum und Entfaltungsmöglichkeiten, sprengt eigene Grenzen und ermöglicht die ultimative Selbstfindung. Gleichzeitig schwankt die Stimmung oft zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt – zwischen dem nächsten, großen Auftrag, dem kranken Kind, der Steuererklärung und dem Launch der neuen Website ist wenig Zeit für Zwischentöne. Und da ist noch die Buchhaltung, Kundenaquise, die Deadline und das volle E-Mail-Postfach …

Vieles läuft nebenbei. Bis zum nächsten Telefonat mit dem Kunden ist noch eine Stunde Zeit: Schnell noch die Geschäftspost erledigen und das gewünschte Konzept skizzieren. Dabei bleibt manchmal die Genauigkeit, mindestens die Konzentration und meist auch der eigene Anspruch auf der Strecke. Aber halt. Stand nicht am Anfang der Selbstständigkeit ein liebevoll ausgearbeitetes Konzept? Der Wunsch nach Work-Life-Balance, Freiraum für Kreativität und auch Raum für einen selbst?

Das große Ziel im Auge – oder doch nicht? 

Egal, dafür ist nach dem nächsten Auftrag Zeit, das wird schon alles und schnell kreisen die Gedanken nur noch um den nächsten Punkt auf der To-Do-Liste.

Doch die Fragen bleiben. Vielleicht nach Feierabend, im Freundeskreis, am Wochenende, schleichen sie sich in die Gedanken. In welcher Rolle sehe ich mich selbst? Stimmen meine Erwartungen an mich und mein Unternehmen mit der Realität und der Alltagslast überein? Wichtige Fragen sind das, die zu beantworten im Hamsterrad des Alltags keine Zeit ist.

Jede Selbstständigkeit ist anders, dennoch stoßen viele Unternehmerinnen und Unternehmer auf immer die gleichen Hürden, logistisch, organisatorisch, persönlich.

Angestellte werden aus diesem Grund regelmäßig zu Mitarbeiter- oder Personalgesprächen gebeten. Ein guter Chef und eine gute Chefin kümmert sich nicht allein um den Ist-Zustand des Mitarbeiters, sondern fragt nach, erkundigt sich nach Arbeitsablauf, Problemen und Wünschen des Gegenüber, nimmt Feedback an und erarbeitet gemeinsam mit dem Mitarbeiter einen Plan für die kommenden Monate und Jahre. Selbstständige müssen sich auch um diesen wichtigen Bestandteil des Arbeitslebens selbst kümmern.

Auch uns geht es so – wir sehen gelegentlich den Wald vor Bäumen nicht, kreisen um unbeantwortete Fragestellungen und stehen immer wieder vor Bergen ungeordneter Plänen und Ideen, die dringend mal gesichtet, sortiert und bewertet werden müssen, bevor sie das Licht der Welt erblicken. Aber von wem, und vor allem wann?

Projektschrauber-Tipp: Wir sprechen hin und wieder mit uns selbst oder gehen dann in den Erfahrungsaustausch: Was war mein Ziel und wo stehe ich? Was hindert mich – Rahmenbedingungen oder eigener Schweinehund? Damit bekommen wir raus, woran wir als nächstes arbeiten.

Zeit für eine Auszeit 

Eine Möglichkeit zur Selbstorganisation und Selbstfürsorge sind Angebote, Seminarreihen und Workshops, die in einem klar definierten Rahmen das anzubieten, was im stressigen Alltag fehlt: Zeit für Reflexion. Ein Personalgespräch mit und für sich – professionell geleitet und strukturiert. Das bedeutet Zeit für bewussten Abstand, Einordnung und auch wertschätzenden Umgang mit sich selbst und der täglichen Arbeit am Kunden, am Projekt, am Unternehmen. Ob im kleinen Kreis oder der größeren Gruppe: Hier lernen Gleichgesinnte voneinander, erweitern das Netzwerk und nehmen wertvolle Erkenntnisse für den Arbeitsalltag mit.

Vielen Workshop-Teilnehmern geht es dann wie uns: Auf einmal platzt der Knoten und der weitere Weg ist klar erkennbar. Eine andere Selbstständige im Kreis hat ähnliche Erfahrungen gemacht wie wir, ist aber auf einem völlig anderem Weg zum Ziel gelangt als wir es vorhatten – von ihr können wir lernen! Der konstruktive, lösungsorientierte Austausch mit anderen Selbstständigen und Gründern, die ehrliche Analyse des eigenen Ist-Zustands, Impulse von außen und authentisches Feedback ist für uns der Schlüssel zum Erfolg – und der Weg wieder klar zu erkennen, warum und für wen wir tun, was wir tun.  

Projektschrauber-Tipp: Wir Projektschrauber machen zweimal im Jahr eine Klausurtagung oder gehen zu Impulstagen und bekommen Reflexionsmöglichkeit und neue Ideen, wie wir beispielsweise Veränderungsprozesse (das sogenannte Change-Management) begleiten können.

(Autorin: Viola Martin-Mönnich)